Luther ganz groß in der Lazaruskirche

19.04.2018 | Marlene Broeckers

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Marlene Broeckers

Texterin und Pressereferentin der NRD

Luther ganz groß in der Lazaruskirche

Zwei Wochen lang wird ab Ende April das monumentale Kunstwerk „Luther 95“ von Michael Apitz in der Lazaruskirche auf dem Zentralgelände der NRD in Mühltal zu sehen sein. Im Laufe des Jubiläumsjahres 2017 „500 Jahre Reformation“ war das Kunstwerk in Wiesbaden, Bad-Homburg, Mainz, Worms, Frankfurt, Darmstadt und im Kloster Eberbach im Rheingau zu sehen und hat viele Menschen bewegt. So soll es auch in Mühltal sein. Der Aufbau des Bildes soll inklusiv vonstatten gehen.

Das Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ solle mit einem Doppelpunkt enden, wünschte sich der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung. Mit dem 31. Oktober 2017 sei zwar das Festjahr beendet, nicht aber die Herausforderungen, die von Martin Luther ausgegangen seien. Dazu gehörten, so jung, auch wichtige Impulse für das Zusammenleben in der Gesellschaft.

Die Lazaruskirche wird während der Ausstellungstage (29. April bis 13. Mai) täglich geöffnet sein. In diesen Zeitraum fallen einige Veranstaltungen in und um die Kirche, so zum Beispiel das Frühlingsfest am Fliednerplatz am Samstag, 5. Mai, und die Konfirmation von Jugendlichen der NRD-Wichernschule am Sonntag, 13. Mai. Es wird also etliche Gelegenheiten geben, sich mit dem Kunstwerk „Luther 95“ zu beschäftigen.

Zahlensymbolik

Was ist zu sehen? Zunächst einige technische Details: Das Kunstwerk besteht aus 95 Holztafeln – entsprechend der Anzahl der Thesen, die Luther an die Wittenberger Schlosskirche anschlug. Dies geschah im Jahr 1517 - der Umfang des Bildes umfasst genau 1.517 Zentimeter. Die Tafeln werden durch ein einfaches Stecksystem miteinander verbunden und sind durch eine Rückwand gestützt. „Man kann es in einer Stunde aufbauen“, sagt Michael Apitz. Wie zu Luthers Zeiten üblich, hat Apitz auf Holz anstatt auf Leinwand gemalt.

Michael Apitz zeigt Luther in der Pose des Widerständlers. Entschlossen stellt er sich gegen die herrschende Meinung und folgt seinem Glauben aus der Botschaft der Bibel heraus. Was das Aussehen von Luther betrifft, so hat sich Michael Apitz an Lucas Cranach dem Älteren orientiert, einem der bedeutendsten deutschen Maler der Renaissance, der Luther mehrmals porträtiert hat.
Auffallend ist die Farbgebung von hellen Tönen auf der einen Seite bis hin zu tiefem Dunkelrot auf der anderen. „Das viele Rot steht für Luthers Leidenschaft und Herzblut“, sagt Apitz, „aber auch für das Blut der Bauern und der Juden, gegen die Luther hetzte, und das Schlachtendrama des 30-jährigen Krieges, der infolge der Reformation ausbrach.“

Über behinderte Menschen äußerte sich Martin Luther absolut mittelalterlich. Er war von dem Aberglauben überzeugt, dass behinderte und missgebildete Kinder vom Teufel untergeschobene „Wechselbälger“ seien, nur seelenloses Fleisch, das man ertränken müsse.

„Nicht sicher, ob ich ihn mag“

Apitz erklärt, warum es ihm wichtig war, das Luther-Kunstwerk zu erschaffen. „Als evangelischer Christ bin ich 1965 in Eltville geboren und im damals noch sehr katholisch geprägten Rheingau aufgewachsen. In der Grundschule waren wir in der Klasse 26 katholische und zwei evangelische Kinder. Ich gehörte also zu einer religiösen Minderheit. Von Martin Luther hatte ich kein sehr konkretes Bild. Was ich wusste: Er hat uns vom Papst befreit. Ich habe das Reformationsjubiläum zum Anlass genommen, mich näher mit ihm zu befassen. Zunächst hatte ich vor, ein ganz positives Bild von Luther zu malen. Doch im Zuge meiner Recherche nahm Luther auch negative Züge an. Jetzt ist meine Beziehung zu ihm ambivalent. Ich bin nicht sicher, ob ich ihn mag“.

Menschen verschiedener Religionszugehörigkeit und Atheisten haben an den früheren Ausstellungsorten beim Aufbau von „Luther 95“ mitgewirkt, in der Lazaruskirche werden Kinder und Jugendliche der Wichernschule sowie Bewohner und Beschäftigte der NRD und der Werkstätten die Holztafeln anreichen. „Toll wäre es aber, wenn noch viel mehr Menschen in die Kirche kämen und wenn der Aufbau von Orgelmusik begleitet werden könnte“, wünscht sich Michael Apitz – und kommt damit den Vorstellungen der NRD sehr entgegen.


Offene Kirche

Während der Ausstellung ist die Lazaruskirche außer zu den Gottesdiensten und Andachten an sechs Tagen jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet, und zwar an den Tagen 2. bis 4. Mai und 7. bis 9. Mai. Zu diesen Zeiten können Besucher*innen sich Zeit nehmen, das Luther-Bild zu betrachten, zu meditieren, eigene Gebete aufzuschreiben, eine Kerze anzuzünden oder die Kirche zu erkunden. Folgende Materialien werden bereitliegen: Gebetskarten mit dem Text von Luthers Morgen- und Abendsegen, Lutherzitate, Anregungen zur Meditation und eine Beschreibung der Kirchenfenster von Kees de Kort.

Michael Apitz
Michael Apitz

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