Von der Anstalt zum modernen Dienstleister

12.07.2017 | Brigitte Walz-Kelbel

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Brigitte Walz-Kelbel

Pädagogische Vorständin der NRD

Von der Anstalt zum modernen Dienstleister

Die Stiftung Nieder Ramstädter Diakonie (NRD) wurde 1898 als „Anstalt für Epileptische“ in Nieder-Ramstadt gegründet. Schon die unterschiedlichen Namen im Laufe der Jahre weisen auf einen Transformationsprozess hin: Der Weg führt von der „Anstalt“ über die „Heime“ hin zum heutigen modernen Dienstleistungsunternehmen Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie mit rund 2.300 Mitarbeitenden an mehr als 50 Standorten in Hessen und Rheinland-Pfalz (siehe Grafik unten). Die Geschäftsfelder der NRD sind Behinderten-, Jugend- und Altenhilfe. Die NRD bietet stationäres und betreutes Wohnen, Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM), Integrationsbetriebe, Ambulante und Familienunterstützende Dienste sowie vielfältige Beratung. Sie ist Trägerin einer Förderschule und einer Senioreneinrichtung.

„Sozialraum Anstalt“ – ein kurzer Blick zurück

Rund 10 Kilometer von Darmstadt entfernt liegt Nieder-Ramstadt. Neben der Gemeinde Nieder-Ramstadt existierte viele Jahre noch ein „zweites“ Nieder-Ramstadt. Ein anderes, kleineres, mit einem Zaun drum herum und einer Mauer: die Heime, die Anstalt. Drinnen alles, was man so braucht, ein „eigener, kleiner Sozialraum“ mit 600 stationären Wohnplätzen für Menschen mit Behinderung. Mit einer Großküche, die alle bekocht und das Essen ausgeliefert hat, mit einem großen Lager, in dem es alles gab, was man brauchte: gespendete Kleidung, Marmelade und Toilettenpapier.

Die Hausmeister kümmerten sich um die Reparaturen, in der Wäscherei wurde alles wieder sauber – oder blieb für immer verschwunden. Ein kleiner Laden lud zum Einkaufen ein und der Arzt im weißen Kittel kam zur Visite auf die Station. Sogar eine eigene evangelische Kirchengemeinde gab es, mit der Lazaruskirche, einem Gemeindehaus und einer Pfarrstelle. Selbstredend, dass auch im Tod das Gelände nicht verlassen werden musste, sondern der letzte Gang auf den Anstaltsfriedhof führte.

Ist das erst 20 Jahre her?
Ist das erst 20 Jahre her?

Der Sprachgebrauch weist auf die „Epoche“ hin. Wir sprechen heute nicht mehr von einer „Station“. Vorüber sind auch die Zeiten der Arztvisite. Die Herausforderungen unserer Zeit beschreiben Begriffe wie Inklusion, Teilhabe, Sozialraumorientierung und Bundesteilhabegesetz.

Sonderförderprogramm der Aktion Mensch zur „Umwandlung von Groß- und Komplexeinrichtungen“

Im Jahr 2005, die Zäune und Mauern waren längst abgebrochen, beschloss der Stiftungsrat der NRD die Weiterentwicklung von der Anstalt zum sozialen Dienstleister in der Region. Die Menschen sollten zukünftig ihren Wohnort und die Wohnform selbst bestimmen können: nicht mehr im Mehrbettzimmer auf der „Station“, sondern im eigenen Zimmer in der Wohngruppe wohnen. Die NRD schloss sich damit dem Sonderförderprogramm der Aktion Mensch an zur „Umwandlung von Groß- und Komplexeinrichtungen in differenzierte gemeindenahe Wohnangebote“ (UGK). Das Programm startete 2002, neben diakonischen Einrichtungsträgern beteiligten sich auch Mitgliedseinrichtungen des Caritasverbandes Behindertenhilfe und Psychiatrie (CBP) und Mitglieder anderer Verbände. Die Leitmotive dieses Programms sind:

- Förderung der Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung,
- Schaffung von Wahlmöglichkeiten,
- Partizipation von Menschen mit Behinderung und ihres sozialen Netzwerks.

Die NRD leistete damit – wie alle Träger, die sich diesem Programm anschließen – einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Für die NRD bedeutete dies konkret, die Großeinrichtung aufzulösen und rund 540 Wohnplätze auf die Region Südhessen zu verteilen. Unter dem Stichwort „Regionalisierung“ wird seitdem über Sozialraumorientierung und Inklusion gesprochen. Die Begriffe Standortentwicklung, Schließungsszenario und der Dreiklang aus „Spatenstich – Richtfest – Tag der offenen Tür“ ist inzwischen jedem ebenso geläufig wie die Vorstellung davon, „ein Haus leerzuwohnen“ und es anschließend „niederzulegen“!

Anstaltsflur
 
 

Im Sozialraum leben und arbeiten

Äußere und innere Bilder, Häuser und Haltungen entwickeln sich von den großen Häusern – alle auf dem Anstaltsgelände – hin zu kleinen Wohneinheiten in ganz Südhessen; vom Patienten zum Bewoh-ner/Klienten, zum Menschen mit Recht auf Selbstbestimmung und Teilhabe; von Mitarbeitenden, die den Kontext der Großeinrichtung gewohnt waren, hin zu neuen Verantwortungsbereichen vor Ort.

Die NRD hat sich das Ziel gesetzt, für die Menschen mit Behinderung ein Leben so normal wie möglich zu realisieren. Teilhabe löst den Grundsatz von Versorgung und Fürsorge ab. Der Mensch ist nun nicht mehr nur Adressat und Objekt von Hilfeleistungen, sondern kann und soll selbstbestimmt mitgestalten.

Standorte 2016

Die Menschen können inzwischen ihren Wohnort wählen. Aus ehemals zwei sind mehr als 50 Standorte geworden. Das Besondere daran ist, dass Menschen mit Behinderung jetzt mitten im Gemeinwesen wohnen. Unsere Häuser sind keine „Einrichtungen“ am Waldrand oder auf der grünen Wiese, sondern Wohn-Orte, die sich von anderen nicht mehr unterscheiden. Es hängt kein großes Plakat der NRD am Haus, sondern ganz normale Klingelschilder mit den Namen der Menschen, die darin wohnen. Das bedeutet aber auch, dass es keine Großküche, keinen Anstaltsarzt und keine Wäscherei usw. mehr gibt, die sich um alles kümmern. Es wird im Haus geputzt, miteinander gekocht, die Freizeit wird individuell geplant. Es ist normal, einkaufen zu gehen, es ist normal, zu kochen, es ist normal, die eigene Wäsche zu waschen.

Von zentraler Bedeutung ist dabei nach unserer Ansicht die Haltung der Mitarbeitenden. Wenn Selbstbestimmung auf Seiten der Bewohner gefördert werden soll, ist eine Haltung „auf Augenhöhe“ notwendig. In Klausurtagen setzen wir uns ausführlich mit dem Thema „Rolle und Haltung“ auseinander. Zudem widmet sich ein Modul unserer speziell entwickelten Fortbildung für Führungskräfte diesem Themenkomplex mit seinen unterschiedlichen Facetten.

Haltung Augenhöhe
 

„Die NRD kommt zu Ihnen!“: Reaktionen des Sozialraums

Wenn von der „Eroberung des Sozialraums“ gesprochen wird, wird das ganze Dilemma deutlich, in dem der viel zitierte Paradigmenwechsel der Behindertenhilfe steckt. Mit „Eroberung“ sind u. a. Bilder von Kampf und Krieg, von Siegen und Verlieren verbunden. Gleichberechtigter Zugang zu allen Lebensbereichen, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sollte selbstverständlich sein und nicht erkämpft werden müssen. Spätestens jetzt sind die Regelsysteme im Stadtteil gefordert, sich zu öffnen und sich zu entwickeln.

Es gibt sie, die leuchtenden Beispiele von gelingendem Miteinander. Z. B. wird ein Mensch mit herausforderndem Verhalten, der in einem unserer Wohnangebote in einer eher ländlichen Umgebung wohnt, regelmäßig von einem Bauern aus der Nachbarschaft auf dem Traktor mitgenommen. Ein anderer, der in einer großen Stadt lebt, hat in der Kirchengemeinde, zu deren Gebiet unser Wohnangebot gehört, eine wunderbare Beschäftigung im Büro gefunden. Man begegnet sich bei Festen und gehört zum normalen Bild der Gottesdienstbesucher oder des Stadtteils.

Einkaufen

Natürlich gibt es auch Unsicherheiten, Skepsis, Ärger, Angst und offene Ablehnung. Nachbarn, wie z. B. an einem unserer ersten Standorte außerhalb Mühltals, die sich mühsam an den Gedanken gewöhnen mussten, dass zukünftig Menschen mit Behinderung nebenan wohnen werden. Eine politische Gruppierung hat uns vor ein paar Wochen damit überrascht, dass sie einen Antrag im Gemeindeparlament gestellt hat mit dem Ziel, die alte „Sondergebiets-Regelung“ in Mühltal wieder einzusetzen – und damit „die alte Anstalt“ wieder aufleben zu lassen.

Die Angst vor dem Neuen und Ungewohnten ist bekannt, deshalb legen wir viel Wert auf transparente und gelingende „Kommunikation“. Wichtig war und ist, frühzeitig mit allen Beteiligten zu sprechen, zu informieren, einfach miteinander zu reden. Wenn eine Bürgermeisterin oder ein Bürgermeister einen Standort der NRD in der Kommune befürwortet, heißt das noch nicht, dass alle Fraktionen das genau so sehen, und noch lange nicht, dass die Nachbarn positiv gestimmt sind.

Jugendtreff
Hof Überau
 
 
 

Was sagen die Menschen mit Behinderung selbst zu all dem?
Mein eigenes Reich

Bei meinen Besuchen an unseren Standorten stelle ich immer wieder fest, dass die Menschen, die dort leben, stolz auf ihr Zuhause sind. Stolz zeigen sie ihr Zimmer oder ihr Apartment, selbstbewusst führen sie durch das Haus. In Offenbach wurde ich nach einem Besuch von einem Bewohner mit den Worten verabschiedet: „Vielen Dank für Ihren Besuch. Sie sind jederzeit wieder ein gern gesehener Gast!“ Ich habe mich sehr über diesen Satz gefreut, drückt er doch auch aus, dass hier die „Verhältnisse“ klar sind: Er ist der Bewohner dieser Wohnung und ich bin Gast!

Einen alten Baum ...

Wir erleben, dass viele Menschen, die jahrelang, mitunter sogar jahrzehntelang auf dem ehemaligen Zentralgelände der NRD in Mühltal gelebt haben, gerne in eine andere Stadt umziehen. Zu Beginn der Regionalisierung gab es noch wenig Auswahl. Die ersten Standorte außerhalb von Mühltal waren Mörfelden, Erbach und Groß-Bieberau. Heute geht es gar nicht mehr nur um die Frage, wo möchte der Mensch, der noch in Mühltal wohnt, zukünftig wohnen? Es ist mittlerweile auch Bewegung zwischen den rund 50 Standorten zu verzeichnen! Das heißt, Menschen, die vor 10 Jahren aus Mühltal nach Erbach in den Odenwald gezogen sind, weil es die damals attraktivste Wahl war, wollen heute vielleicht nach Offenbach oder Darmstadt, oder innerhalb Erbachs an den neu gebauten Standort. Sie können heute unter rund 50 Möglichkeiten wählen – und das tun sie auch!

Schebb Inklusionsfest
Schebb Inklusionsfest

Emanzipation der Bewohner

Stellt euch vor...

Erstmals in der Geschichte der NRD haben im Sommer 2015 Menschen mit Behinderung für ihre Rechte demonstriert. Sie kamen aus Erbach und Groß-Bieberau mit Trillerpfeifen und Plakaten nach Mühltal und übergaben an Vorstand und Regionalleitung einen Brief mit ihren Themen. Sie forderten mehr Personal in den Häusern, in denen sie wohnen. Auf einem Plakat stand: Stellt euch vor, es ist Inklusion und keiner kann hin. Mit einem Augenzwinkern (und scherzhaft gemeint) sagte ein Mitarbeiter: „Das hat man dann davon, erst unterstützt man die Entwicklung in Richtung Selbstbestimmung – und für die eigenen Rechte – und dann demonstrieren sie.“

Wohnen für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf

Diese Personengruppe überfordert andere Menschen in ihrem Umfeld regelmäßig durch besondere Verhaltensweisen wie massives selbst- und fremdverletzendes Verhalten, besondere Stereotypien und Zwangshandlungen oder außergewöhnliche Lautstärke. Erhebliche soziale Konflikte mit anderen Menschen sind die Folge. In der Regel liegt bei diesen Personen eine mittelschwere bis schwere geistige Behinderung und ein sehr hoher Betreuungs- und Pflegebedarf vor. Doppeldiagnosen, Autismus und die jahrzehntelange Unterbringung in einem nicht bedarfsgerechten Umfeld verschärfen die Problematik.

Wir wollen, dass Teilhabe auch für diese Menschen möglich ist. Seit 1997 gibt es die sogenannte „Intensivbetreuung“ in der NRD. Ausgehend von den ersten „Intensiv-Wohngruppen“ hat sich bis heute eine hohe Fachlichkeit entwickelt. 16 Menschen mit oben beschriebenen herausfordernden Verhaltensweisen und besonderem Betreuungsbedarf wohnen seit September 2016 in unserer sanierten Hofreite in Reinheim-Ueberau. Die ersten Rückmeldungen sind überwältigend positiv. Die Bewohner werden entspannter und flexibler erlebt; in den Bädern können zeitweise Toilettenpapier und Pflegemittel stehen bleiben; die Bewohner schlafen am Wochenende länger und es gibt insgesamt deutlich weniger Verhaltensauffälligkeiten. Von zwei Bewohnern wird berichtet, dass sie öfter aus ihrem Zimmer gehen, was sie vorher nie taten. Einer war sogar in Darmstadt etwas einkaufen, und alle zusammen waren noch nie so viel draußen wie jetzt. Das zu hören und zu erleben macht uns allen Mut, auf diesem Weg weiterzugehen: Wohn- und Lebensraum zu schaffen, der einerseits Geborgenheit und Sicherheit vermittelt, und in dem es andererseits auch möglich ist, geschützt außer Haus zu sein.

Neue Erfahrungen

Natürlich passiert auch das eine oder andere: Erstmals mit einer eigenen Badewanne „konfrontiert“, den eigenen Kühlschrank bestücken zu können, das alles schafft auch kreative Möglichkeiten.

Das Anstaltsgelände neu erfinden – Herausforderungen einer Stadtteilentwicklung

Bis 1994 konzentrierten sich die Angebote der NRD in Hessen weitgehend auf das bisherige Zentralgelände in Mühltal mit folgenden Aktivitäten:

- rund 600 stationäre Wohnplätze für Menschen mit Behinderung,
- Wohnungen für rund 200 Mitarbeitende,
- rund 400 Werkstatt- und Tagesstätten-Plätze,
- 150 Schüler/innen in der Förderschule,
- 60 Schüler/innen in der Heilerziehungspflegeschule,
- Familienunterstützende Dienste, betreutes Wohnen
- rund 850 Arbeitsplätze.

1994 wurden mit dem Bau von 90 Wohnheimplätzen, zwar in Mühltal, jedoch außerhalb des Zentralgeländes, die ersten Schritte in die Richtung der späteren Regionalisierung unternommen. Mit dem Regionalisierungsbeschluss von 2005 wurde der Abbau von rund 400 Wohnplätzen für Menschen mit Behinderung in Mühltal bis zum Jahr 2015 und damit die weitgehende Auflösung der Wohnangebote auf dem ehemaligen Zentralgelände festgeschrieben. Weitere Beschlüsse folgten, sodass mit Abschluss der Regionalisierung nur noch rund 50 Wohnplätze auf dem ehemaligen Zentralgelände vorhanden sein sollen.
Rund 450 Menschen haben bereits ihren Wohnort vom ehemaligen Zentralgelände an einen anderen Standort der NRD in Südhessen verlagert; Tagesstätten-Plätze sind regional entstanden, Mitarbeitende verlagern ebenfalls ihren Standort.

Das alte Fliednerhaus
Das alte Fliednerhaus
Der neue Fliednerplatz
Der neue Fliednerplatz
 
 
 

Dies alles schafft Platz für Neues, das im Rahmen einer Quartiersentwicklung entstehen soll. Das Frauenwohnhaus „Fliednerhaus“, von dem ehemalige Bewohnerinnen im Buch „Aussortiert“ (siehe Grafik unten) erzählen, ist schon seit vielen Jahren niedergelegt, und eine neue Wohnbebauung mit 46 Mietwohnungen stellen dem Mühltaler Wohnungsmarkt aktuell Wohnraum für ca. 150 Menschen zur Verfügung. Gleichzeitig sind Dienstleistungs-, Infrastruktur- und Freizeitangebote für Mühltal und Umgebung bereits auf dem Gelände rund um den neuen Quartiersplatz (Fliednerplatz) entstanden und etabliert:

- Eine Kita mit 40 Plätzen U3 besteht seit 2010. In Planung ist bereits ein Neubau mit Erweiterung auf weitere Plätze für Ü3,
- Bouleplatz und Öffnung der Parkanlage rund um die Kirche seit 2010,
- Physiotherapie- und heilpädagogische Praxis, Zahnarztpraxis,
- Bewegungsbad, Cafeteria und Second-Hand-Shop der NRD sind öffentlich zugänglich gemacht und werden öffentlich genutzt,
- seit 2013 ein Altenpflegeangebot mit 48 Pflegeplätzen, Tagespflege, Diakoniestation, Servicewohnen,
- Friseur, Reisebüro und Carsharing-Station seit 2016,
- Nutzung der Lazaruskirche auch für öffentliche Kulturveranstaltungen,
- Werkstatt, Tagesstätte und Wichernschule stehen weiterhin zur Verfügung.

Zukünftig soll das ehemalige Zentralgelände der NRD als Teil des Mühltaler Ortsteils Nieder-Ramstadt ein Quartier zum Wohnen, Leben und Arbeiten für alle Menschen werden. Dazu hat die NRD 2016 einen städtebaulichen Ideenwettbewerb ausgelobt. Das Wettbewerbsgebiet des ehemaligen Zentralgeländes war jahrzehntelang durch bauliche Anlagen vom eigentlichen Ort abgeschnitten. Seit den 1970er-Jahren ist das Gelände geöffnet und frei zugänglich. Entsprechend der bereits beschriebenen Schritte der Regionalisierung hat sich das Gelände seit 2005 bereits verändert. Zahlreiche, oben genannte, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtungen haben sich angesiedelt. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen und soll, u. a. durch eine gezielte städtebauliche Entwicklung, zu einer Wohnbaufläche gesteuert werden.

Vom ehemaligen Zentralgelände zum Wohngebiet Dornberg

Gemäß der Bezeichnung im Gemarkungsplan wird nun vom „Entwicklungs- oder Wohngebiet Dornberg“ gesprochen. Es sollen Wohnangebote für alle Bevölkerungsgruppen für 500 bis maximal 800 Menschen entstehen. Dabei sind Eckpunkte zu beachten wie sozialer Wohnungsbau, kostengünstige Wohnangebote für junge Familien, Raum für gesellschaftliche Wohnkonzepte und klassische Wohnformen in Eigentum und Miete.

Nach der Feststellung des Gewinners geht es nun für die Gemeinde Mühltal um die Erstellung eines Bebauungsplanes. Um die Bevölkerung zu informieren, wird im Juni 2017 eine Bürgerversammlung stattfinden. Nach Fragen von angemessenem Wohnraum stehen nun Themen wie Verkehrsführung, Versorgung mit Trinkwasser und Bushaltestellen im Vordergrund.

Verändern und bewahren

Im wahrsten Sinn des Wortes „bleibt kein Stein auf dem anderen“! In dem gewaltigen Entwicklungsprozess der NRD gibt es herausragende Meilensteine. Beschlüsse, Veröffentlichungen, Bilder und Geschichten, die vielen bekannt sind und auf die oft Bezug genommen wird. Daneben gibt es die tausend kleinen Schritte, die an vielen Orten der NRD von vielen verschiedenen Menschen getan worden sind und getan werden. Es ist nicht immer einfach, die Balance zwischen Vision, Entwicklung und realistischer Umsetzung zu finden. Balance auch zwischen dem, was sich verändert und dem, was bewahrt werden soll. Einen großen Beitrag zur Bewahrung dessen, was die NRD war, hat das Buchprojekt „Aussortiert“ geleistet. In der modernen Form des „Storytelling“, in der Menschen selbst ihre Geschichte erzählen, bleibt gelebtes Leben (ehrlich) lebendig.

Wie war das Leben, wie wurde gewohnt, gearbeitet, wie sahen die sozialen Kontakte aus? „Die Strafstation des Männerhauses; Das Leben in der Anstalt; Die Zeit des Nationalsozialismus; Erinnerungen an das Kinderhaus; Das fehlende Recht auf Partnerschaft; Umgang mit Psychopharmaka; Sexueller Missbrauch in den Heimen“ sind einige der Überschriften aus dem Inhaltsverzeichnis.

Aussortiert – Leben außerhalb der Gesellschaft - Die Nieder-Ramstädter Heime nach 1945, herausge-geben von der Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie, 2014. ISBN: 978-3-00-044711-2. Das Buch kann auch direkt in Mühltal bestellt werden. Tel.: 06151-149-1691.

Doch nicht alle Steine verschwinden, manche Häuser stehen unter Denkmal- oder Bestandsschutz. Sie werden saniert und einer neuen Nutzung zugeführt. Von dem ältesten Haus, dem schon erwähnten Fliednerhaus, wurde das wunderschöne Sandsteinportal des Haupteingangs erhalten. Es wurde in Sichtweite des neuen Fliednerplatzes in der Parkanlage auf dem Boden wieder als Portal angeordnet. Stellt man sich hinein und blickt in Richtung des neuen Platzes, so ist alt und neu verbunden. Im Rücken liegt das alte Portal, vor den Augen des Betrachters liegt der neue Platz. Die Sandsteinfassung ist so im Boden verankert, dass man sich bequem daraufsetzen kann, Kinder können mit dem Sand drumherum spielen, das alte Portal lädt zum Pause machen und Spielen ein, und vielleicht wird dort auch mal eine Geschichte erzählt, wie es früher war.

Steinmal Fliednerplatz

Wissenswertes und Aktuelles über uns finden Sie auf unserer Homepage www.nrd.de. Mitarbeitende und Klienten bloggen unter blog.nrd.de. Einen besonderen Einblick geben unsere Videos auf Youtube. Sie finden uns auch auf Facebook, und Google-plus.

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