Gesundes Arbeiten im Betreuten Wohnen Darmstadt

16.11.2020 | Marlene Broeckers

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Marlene Broeckers

Texterin und Pressereferentin der NRD

Gesundes Arbeiten im Betreuten Wohnen Darmstadt

Seit 28 Jahren gibt es das Angebot des Ambulant Betreuten Wohnens (BW) in der NRD. Zwischen Friedrichsdorf im Norden, Lampertheim im Süden, Wallertheim im Westen und Michelstadt im Osten des NRD-Verbreitungsgebietes nutzen knapp 340 Menschen die Möglichkeit, eigenständig oder in ihrer Familie zu wohnen und Assistenz- oder Unterstützungsangebote der NRD in Anspruch zu nehmen. Seit April 2018 gibt es auch ein BW-Büro in Darmstadt. Unsere Redakteurin Marlene Broeckers machte einen Besuch in der Riedstraße 2 und sprach mit Teamleiter Volker Benericetti.

Es hat lange gedauert, bis das passende Objekt gefunden war, das die richtige Größe hat, mit dem ÖPNV gut zu erreichen und auch bezahlbar ist. In der Riedstraße 2, direkt an der Eschollbrücker Straße nahe dem Südbahnhof, in einem Firmensitz der Thamm GmbH, teilt sich die NRD mit einer Medienagentur das 1. Obergeschoss. Neben dem BW hat hier auch der Familien unterstützende Dienst (FuD) der NRD ein Büro, außerdem sitzt hier Katja Mäder, die Leiterin des Wohnverbundes Darmstadt 2. „Das ist schön, so guckt man automatisch über den eigenen Tellerrand hinaus“, findet Volker Benericetti.

Der Sozialarbeiter kam vor 20 Jahren zum FuD und wechselte 2015 ins BW, wo er seit 2018 Teamleiter ist. Zu seinem Team gehören fünf feste Mitarbeitende, alle sind Sozialarbeiter*innen und in Teilzeit tätig; außerdem fünf Werkstudierende mit kleinen Stellenanteilen, die in der nahegelegenen Fachhochschule oder der Evangelischen Hochschule Darmstadt studieren und nebenher arbeiten. Aktuell begleitet das BW Darmstadt rund 30 Klient*innen und erbringt für weitere fünf Personen unterstützende Dienstleistungen für erwachsene Menschen. Letzteres ist ein relativ neues Angebot, das von jedem, unabhängig von seiner Wohn- und Lebensform, in Anspruch genommen werden kann: Begleitung zum Einkaufen oder zu einem Fußballspiel, ein gemeinsamer Spaziergang.

Es entspricht dem Erfordernis des Bundesteilhabe-Gesetzes (BTHG) und auch der Kostenträger, unterschiedliche Formen von Unterstützung bedarfsorientiert anzubieten. Deshalb hat Volker Benericetti Mitarbeitende mit unterschiedlicher Fachlichkeit in seinem Team. „Das ist realistisch, um bedarfsgerechte Angebote zu machen, die auch finanzierbar sind“, sagt er, „aber nicht ganz einfach in der Hilfeplanung. Denn die Grenzen bei den Klient*innen sind ja fließend. Man kann nicht sagen, dieser Mensch braucht immer fachliche Unterstützung, jener nie. Viele unserer Klient*innen haben gelegentlich Krisen, und durch Corona sind mehr oder weniger alle in krisenhafte Situationen geraten.“

Eigene Autos abgeschafft

Beziehung und Gespräch sind die Grundlage der Arbeit. Sie liefern die Basis, um auch in schwierigen Situationen wirksame Unterstützung bieten zu können. „Da ist seit Beginn des Corona-Lockdowns ziemlich viel zu tun“, sagt Benericetti. „Wir arbeiten ja aufsuchend, aber wir durften die Klient*innen im Lockdown nicht besuchen. Jedoch fehlte ihnen gerade da der Kontakt, denn sie durften ja auch nicht zur Arbeit gehen. Gemeinsam einzukaufen und sich im Freien zu treffen – das waren neben vielen Telefongesprächen die wichtigsten Angebote. Hier kam die bessere Mobilität des städtischen Standorts voll zum Tragen. „Wir Mitarbeitenden fahren zu den meisten Terminen ohnehin mit dem Fahrrad oder mit unserem Elektro-Roller. Den Team-PKW haben wir zurückgegeben. Wir können das Carsharing von book & drive nutzen, es gibt zwei Stationen ganz in unserer Nähe. Fast alle haben auch privat ihre Autos abgeschafft“, berichtet der Teamleiter. „Den PKW konnte man wegen der Abstandsregeln nicht mit Klient*innen nutzen, den BW-Bus wegen der eingeschränkten Anzahl der Mitfahrenden ebenso wenig. Also haben wir fast alles mit dem Fahrrad gemacht und dadurch auch einige Klient*innen motiviert, ihre Fahrräder zu benutzen.“

Aus der Not heraus haben sich also Mitarbeitende und Klient*innen viel mehr an der frischen Luft bewegt als sonst – ein gesundheitliches Plus, das die Corona-Zeit mit sich gebracht hat und das gerne auch in Zukunft beibehalten wird. „Wir wünschen uns auch so bald wie möglich ein Lastenfahrrad“, sagt Benericetti, „so können wir Klient*innen gut zum Einkauf begleiten und dann beim Transport helfen.

Inklusive Sportangebote

Gesundheit und sportliche Bewegung liegen ihm sehr am Herzen. Volker Benericetti ist ein leidenschaftlicher Kletterer und war lange Zeit im Vorstand des Alpenvereins aktiv. Dort gab er den Anstoß, auch inklusive Angebote für Menschen mit Beeinträchtigung zu machen. Er legt einen Flyer vor, in dem inklusive Sportangebote in Darmstadt vorgestellt werden. Da gibt es Fußball, Rollstuhlhandball und -basketball, Tauchen, Floorball, Tandem-Radsport, Gehörlosensport und Klettern. Der Anstoß, all diese Angebote sichtbar zu machen und die Teilhabe von Menschen mit Behinderung im Sport zu verbessern, kam von der Darmstädter Sozialdezernentin Barbara Akdeniz; Volker Benericetti arbeitet in der Projektgruppe mit. „Die Vernetzung in Darmstadt ist gut, auch der Kontakt mit anderen Trägern“, so Benericetti. Weil die NRD sich historisch lange Zeit auf Mühltal beschränkte, ist es ihm wichtig, anderen Darmstädter Trägern respektvoll zu begegnen und nicht mit ihnen in Konkurrenz zu treten, sondern Netzwerk-Arbeit zugunsten von Klient*innen zu forcieren.

Als Treffpunkt für Klient*innen ist das Büro Riedstraße nicht konzipiert. Hier finden nur Arbeitstreffen statt, aber kein Spielenachmittag. Für solche Freizeitaktivitäten kann das BW die Räume des FuD in der Darmstädter Karlstraße am Wochenende nutzen. „Das ist ideal“, so Benericetti.

Tatsächlich ist die NRD in Darmstadt gut vernetzt. Dennoch freut sich Benericetti jedes Jahr auf das Mitarbeiterfest in Mühltal und verabredet sich dafür gezielt mit Kolleg*innen, die er gerne einmal wiedersehen möchte, mit Zeit zum Plaudern. Gern erinnert er sich auch an den NRD-Gesundheitstag im Sommer 2017 und hofft, dass so etwas wieder einmal stattfinden wird. „Ich fand es sehr beeindruckend, wie viele Kolleg*innen es gibt, die in ihrer Freizeit sportlich aktiv sind oder selbst gesundheitsfördernde Angebote machen. Da kann man sich viele Anregungen holen und sich toll miteinander austauschen.“

Unser Bild zeigt von links Frauke Krebs-Naji, Hannah Dietz, Raphael Harborth, Deborah König, Volker Benericetti, Judith Wolkenhauer und Katrin Slama. Es fehlt Esther Emanuel.

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