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Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung stärken

21.04.2023 | Joachim Albus

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Joachim Albus

Joachim Albus arbeitet als Pressereferent und Texter für die NRD.

Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung stärken

Seit Herbst 2022 ist die Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) dabei, ein großangelegtes Projekt umzusetzen: den „Aktionsplan Teilhabe“. Innerhalb von fünf Jahren möchte man benachteiligte Menschen dazu befähigen, noch mehr am alltäglichen Leben im Sozialraum teilzunehmen. Dafür hat die NRD ein inklusives Projektteam gegründet, das sich nun auf den herausfordernden Weg macht.

Den Grundstein für das Projekt „Aktionsplan Teilhabe“ legten bereits vor rund zwei Jahren fünf Studierende der Evangelischen Hochschule Darmstadt. Sie fragten: Wie wird die Nieder-Ramstädter Diakonie bei anderen Trägern, Erbringern und bei Privatpersonen in Mühltal wahrgenommen? Der daraus resultierende Forschungsbericht von Prof. Dr. Peter Groß brachte den Wunsch der Befragten zum Ausdruck, dass die NRD Verantwortung an den Sozialraum zurückgeben möge. Die NRD nahm die Herausforderung an und begann, das Projekt „Aktionsplan Teilhabe“ zu entwickeln.

Ein inklusives Projektteam

In dieser Zeit – 2021 – machte Sophie Märker ihr Anerkennungsjahr als Sozialpädagogin in der Nieder-Ramstädter Diakonie. Sie wurde zur Projektleitung auserkoren. Die inhaltliche Planung schritt voran – und die NRD stellte bei Aktion Mensch einen Antrag auf dieses Fünf-Jahres-Projekt, der im Frühjahr 2022 bewilligt wurde. Es folgte die Gründung eines Projektteams. „Es war uns sehr wichtig, dass dieses Team inklusiv ist, denn wir wollten Expert*innen haben, die die Gedanken und Gefühle der anderen Klient*innen jederzeit zu 100 Prozent nachvollziehen können“, erklärt Sophie Märker.

Das Team ist seit dem 1. August 2022 – dem offiziellen Projektstart – im Einsatz und besteht neben Sophie Märker aus den beiden NRD-Mitarbeitenden Jan Schäfer und Susanne Stork sowie den Experten für die Sicht von Menschen mit Beeinträchtigung, Schadrac Ntayingi und Alexander Christmann, die selbst beide eine Einschränkung haben.


„Ich möchte erreichen, dass Menschen mit Beeinträchtigung eine Chance bekommen, dass alle Menschen gleichbehandelt werden.“

Schadrac Ntayingi


Nach einem zweimonatigen Praktikum im NRD-Geschäftsbereich Teilhabe sind sie dort nun fest angestellt. „Zu Beginn war ich sehr skeptisch, weil ich gar nicht wusste, um was es bei dem Projekt ging“, erzählt Schadrac Ntayingi. „Aber nach einem Monat Praktikum habe ich mir gedacht: Das will ich machen, da will ich dabei sein! Oft ist es ja so, dass Menschen mit Beeinträchtigung ausgeschlossen werden. Auch ich werde oft wegen meiner Größe komisch angeguckt, manche lachen mich aus, weil ich so klein bin. Ich möchte erreichen, dass Menschen mit Beeinträchtigung eine Chance bekommen, dass alle Menschen gleichbehandelt werden.“ Er verstehe nicht, warum man Menschen „nach außen“ beurteile. „Leider ist heute noch nicht egal, ob man anders aussieht. Ich finde, man muss aber erst mal den Mensch kennenlernen.“

Das Projekt

Im ersten Schritt steht für die NRD die Bildungsarbeit. Weil es viele wichtige Informationen wie pädagogische oder sozialräumliche Konzeptionen oder Aktionspläne von Ländern, Städten und Gemeinden nur in schwerer Sprache gibt, musste man sich zunächst vieles in leichter Sprache erarbeiten. „Darüber hinaus haben wir einige Punkte selbst in leichter Sprache verfasst, damit wir eine Basis für das Projekt haben“, sagt Märker. Denn: Am Anfang des Projektes stehen viele kleine Workshops mit den Klient*innen der NRD, die alle in leichter Sprache stattfinden. Zudem arbeitet das Projektteam mit Materialien wie Stoffen oder Reifen, um einen Zugang zu Menschen mit einer hohen Beeinträchtigung zu bekommen, die man verbal nicht erreichen kann.

Menschen mit Beeinträchtigung dabei helfen, sich noch besser im Sozialraum zurechtzufinden, ist ein Ziel des Fünf-Jahres-Projektes. (Foto: pressmaster_AdobeStock_435430301)
Menschen mit Beeinträchtigung dabei helfen, sich noch besser im Sozialraum zurechtzufinden, ist ein Ziel des Fünf-Jahres-Projektes. (Foto: pressmaster_AdobeStock_435430301)

In vielen kleinen Workshops werden den Klient*innen nun die Begriffe „Selbstbestimmung, Mitbestimmung, Fremdbestimmung“ erklärt und darüber diskutiert – laut Märker „sehr aktuelle Themen unter den Klient*innen“. Viele seien im Alltag, im Sozialraum nach wie vor fremdbestimmt und werden ausgegrenzt. Im weiteren Schritt wird dann der Begriff „Teilhabe“ erklärt und diskutiert, auch das Thema „Sozialraum“ steht auf der Agenda. Nach der Bildungsarbeit, so der Plan, geht es in einem weiteren Workshop darum, konkret zu werden. „Wir schauen uns den jeweiligen Sozialraum an, um daraus Wünsche der Klient*innen abzuleiten, wo noch mehr Teilhabe stattfinden soll“, erläutert die Projektleiterin. Konkret heißt das: Es werden beispielsweise Vereine auf den Prüfstand gestellt: Gibt es dort ausreichend Angebote für beeinträchtigte Menschen? Was braucht es, um einen Verein noch inklusiver zu gestalten? Oder soll der Eingang der örtlichen Bibliothek barrierefrei gestaltet werden? Ist es der Wunsch von Menschen mit Behinderung, ein Bildungsangebot der Hochschule für PC-Kurse zu besuchen, das dann in leichter Sprache angeboten werden müsste? Sollte die Gemeinde einen neuen Zebrastreifen veranlassen, damit es beeinträchtigte Menschen leichter haben, das Geschäft auf der anderen Straßenseite zu erreichen? Das Projektteams unterstützt die jeweiligen Klient*innen darin, ihre Ziele zu erreichen.

Offizieller Start des Projekts mit positiver Resonanz

Am 28. Januar 2023 fand die NRD-interne Auftaktveranstaltung in der Lazaruskirche statt. Hierzu waren IWOs (Interessenvertretungen Wohnen, ehemals „Heimbeirat“) der NRD aus Hessen eingeladen, um sich die Inhalte des Projektplans anzuhören. Die Resonanz war durchweg positiv. Sophier Märker: „Viele Klient*innen und Mitarbeitende freuen sich darauf, wenn wir zu ihnen kommen. Die Diskussionen über unsere geplanten Themen zogen sich sehr in die Länge und man hat gemerkt, dass es einfach den Raum und die Zeit braucht, diese Themen mit allen zu besprechen.“

Sophie Märker und ihr Team wollen mit dem Aktionsplan Teilhabe erreichen, dass Klient*innen künftig ihre Themen selbstbewusster vertreten können. „Für mich wäre der erste Erfolg erreicht, wenn ich sehe, dass sie in ihrer Selbstvertretung gestärkt sind und sich als selbstbefähigt wahrnehmen“, sagt sie. Eine positive Veränderung des Sozialraums, die auf die Bedürfnisse von Menschen mit Einschränkung abzielt, ist das übergeordnete Ziel.

Bild ganz oben: Das inklusive Projektteam des Aktionsplan Teilhabe (v. l.): Jan Schäfer, Schadrac Ntayingi, Projektleiterin Sophie Märker, Susanne Stork, Alexander Christmann (halb liegend unten rechts).

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